
KI ist heute eine Quelle für Ideen
Der FashionTEX-Experte Antonio Lo Presti spricht über Kreativität, CLO3D und die Zukunft des Modedesigns. Wie verändern künstliche Intelligenz, digitale Prototypen und neue Formen der Zusammenarbeit das Modedesign? Antonio Lo Presti unterstützt FashionTEX als Experte für Kreativität und Storytelling.
Er unterstützt die Studierenden – insbesondere dabei, ihre Projekte mithilfe persönlicher Videos überzeugend zu präsentieren. Obwohl er beim FashionTEX Makerspace 2026 in Riga nicht persönlich anwesend war, verfolgte er die fortlaufende Entwicklung der Arbeiten und bringt seine Erfahrungen aus dem Makerspace des Vorjahres ein.
In diesem Interview spricht er darüber, warum junge Designer experimentieren müssen, warum KI längst zu einem kreativen Werkzeug geworden ist und warum ein Makerspace für ihn an die großen Werkstätten vergangener Jahrhunderte erinnert.
Antonio, welche Rolle spielst du bei FashionTEX?
Ich bin Architekt und unterstütze FashionTEX als Kreativitätsexperte, insbesondere bei der Entwicklung von Videos zur persönlichen Präsentation. Obwohl ich dieses Jahr nicht persönlich im Makerspace in Riga vor Ort war, bestand meine Aufgabe darin, die Studierenden dazu zu ermutigen, ihre Projekte nicht nur zu zeigen, sondern auch eine Geschichte zu erzählen. Durch das Erzählen von Geschichten lässt sich eine Idee auf eine Weise vermitteln, die verständlicher, persönlicher und fesselnder ist.
Welche konkreten Fähigkeiten möchten Sie den Schülern vermitteln?
Für mich stehen Fantasie und Kreativität an erster Stelle. Technologie ist ein Werkzeug, das dabei hilft, Ideen zum Leben zu erwecken. Neben CLO3D – das eine zentrale Rolle in dem Projekt spielt – arbeite ich mit Software wie Adobe Premiere und zunehmend auch mit künstlicher Intelligenz.
Besonders faszinierend finde ich die Fortschritte der Studierenden im Bereich KI. Sie verbessern sich in diesem Bereich von Tag zu Tag – in manchen Fällen sind sie ihren Lehrenden bereits einen Schritt voraus.
Welche Trends beobachten Sie bei der Arbeit mit CLO3D?
Ich sehe deutliche Fortschritte. Vor allem im Vergleich zum letzten Jahr hat sich das Kompetenzniveau im Umgang mit CLO3D an den verschiedenen Kunst- und Designhochschulen deutlich verbessert.
CLO3D eignet sich hervorragend für die digitale Simulation eines genähten Kleidungsstücks. Interessant wird es jedoch, wenn die tatsächliche Konstruktion komplexer wird. Je komplexer die physische Herstellung eines Kleidungsstücks ist, desto anspruchsvoller wird seine digitale Simulation. Folglich benötigt man nicht nur technisches Fachwissen, sondern auch die Fähigkeit, eine Simulation wirklich realistisch aussehen zu lassen.
Warum ist das Experimentieren für junge Designer so wichtig?
Das ist äußerst wichtig. Man muss wirklich jeden Tag hart arbeiten, experimentieren und dazulernen. Gerade bei neuen Technologien gehört dazu, dass nicht jeder Versuch auf Anhieb funktioniert.
Wer an der Schnittstelle von Mode und Technologie arbeiten möchte, muss bereit sein, ständig zu experimentieren, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten.
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für die Zukunft des Modedesigns?
Meiner Meinung nach wird künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren eine der Technologien sein, die den größten Einfluss auf das Modedesign und die Produktion haben werden.
Die Digitalisierung beschleunigt bereits heute viele Prozesse. KI kann als Quelle neuer Ideen dienen und als schnelles, effizientes Werkzeug zur Erweiterung der eigenen Kreativität fungieren. Programme wie CLO3D wiederum ermöglichen die schnelle Entwicklung und Erprobung von Prototypen.
Allerdings geschieht derzeit alles in einem solchen Tempo, dass wir uns durchaus fragen könnten, ob wir dieses Tempo tatsächlich ständig benötigen.
Kann Technologie auch zu mehr Nachhaltigkeit in der Modebranche beitragen?
Ja. Nachhaltigkeit ist ein Thema, dem insbesondere junge Menschen heutzutage große Aufmerksamkeit schenken. Viele entscheiden sich bewusst für Marken, die verantwortungsvoll mit der Umwelt und den Ressourcen umgehen. Auch das Recycling gewinnt bei jungen Verbrauchern zunehmend an Bedeutung.
Digitale Technologien können dazu beitragen, bestimmte Formen der Verschwendung zu vermeiden – beispielsweise wenn Entwürfe und Prototypen zunächst digital entwickelt und getestet werden können.
Wie wichtig ist traditionelles Handwerk trotz der fortschreitenden Digitalisierung noch?
Das ist sehr wichtig. Die Modeausbildung sollte digitale Technologien mit handwerklichem Können und Materialkenntnissen verbinden. Gleichzeitig müssen die Studierenden lernen, mit Veränderungen umzugehen und sich ständig auf neue Entwicklungen einzulassen.
Für mich liegt die Zukunft nicht darin, das eine durch das andere zu ersetzen. Der Schlüssel liegt darin, die verschiedenen Möglichkeiten zu kombinieren.
FashionTEX bringt Studierende von elf europäischen Hochschulen zusammen. Was bedeutet diese internationale Zusammenarbeit?
Aufgrund meiner Erfahrungen im vergangenen Jahr kann ich sagen, dass die Zusammenarbeit mit Studierenden anderer Akademien äußerst interessant war. Ich habe viele junge Menschen kennengelernt, die bereits über ausgeprägte technische Fähigkeiten verfügten und gleichzeitig bemerkenswert offen für Experimente waren.
Internationale Zusammenarbeit erweitert den Horizont. Man lernt unterschiedliche Ansätze, Perspektiven und Möglichkeiten kennen. Diese Erfahrung ist besonders wertvoll für junge Designer, die später in der internationalen Modebranche arbeiten werden.
Was unterscheidet einen Makerspace vom traditionellen Hochschulunterricht?
Ein Makerspace schafft einen neuen Ort, an dem Menschen zusammenkommen können, um Ideen, Wissen und Technologien auszutauschen.
Für mich gibt es dafür sogar einen historischen Präzedenzfall: Beim Bau der großen Kathedralen im Mittelalter kamen Tischler, Steinmetze und Glasmacher zusammen. Sie arbeiteten in einem gemeinsamen Raum, tauschten Wissen aus und entwickelten so neue Formen und Lösungen. Heute ermöglicht uns ein Makerspace, eine Vielzahl digitaler und analoger Technologien unter einem Dach zu vereinen. Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten arbeiten zusammen – und genau diese Zusammenarbeit kann neue Kreativität in der Mode beflügeln.
Was nehmen Sie persönlich aus Ihrer Arbeit mit den FashionTEX-Studierenden mit?
Aufgrund meiner Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr bin ich besonders stolz darauf, wie sich die Jugendlichen weiterentwickelt haben und auf welch vielfältige Weise sie ihre Kreativität zum Ausdruck bringen. In diesem Jahr freue ich mich besonders auf die digitalen Projekte. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, erwarte ich ein sehr hohes Niveau.
Worauf freust du dich beim FashionTEX Festival 2026 am meisten?
Vor allem die Ergebnisse der Studierenden. Ich möchte sehen, wie sich ihre digitalen Projekte entwickelt haben und wie sie verschiedene Technologien und kreative Ansätze miteinander kombiniert haben.
Das Festival bietet die Gelegenheit, diese Entwicklung zu präsentieren und die Arbeiten einem breiteren Publikum vorzustellen.
Welchen Rat würden Sie jungen Modedesignern geben?
Seien Sie stets bereit, zu experimentieren. Die Technologie verändert sich ständig – und wer sie kreativ nutzen möchte, muss neugierig bleiben und bereit sein, Neues auszuprobieren.
Und zum Schluss: FashionTEX Makerspace in drei Worten?
Innovativ. Effizient. Unverzichtbar.













