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Zwischen Vision und Realität - Giulio Zahnd über seine Erfahrungen im Makerspace

Wenn Technologie auf Kreativität trifft, entsteht ein Raum, in dem Ideen Gestalt annehmen und Grenzen verschwimmen. Für Giulio Zahnd, Modestudent im dritten Jahr an der Amsterdamer Modeakademie, war der Makerspace weit mehr als nur ein Ort zum Experimentieren - er wurde zu einem Labor der Zukunft, in dem Mode, Handwerkskunst und digitale Innovation verschmelzen. Zwischen 3D-Druckern, Strickmaschinen und virtuellen Designumgebungen entdeckte Giulio nicht nur neue Werkzeuge, sondern auch eine neue Einstellung: mutig zu denken, präzise zu arbeiten und im Team zu wachsen. Seine Zeit im Makerspace war geprägt von Neugierde, Offenheit und einer Faszination für das Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Vision.

Welche neuen Fähigkeiten oder Erkenntnisse haben Sie im Makerspace gewonnen - vielleicht über die rein technischen Aspekte hinaus?

Giulio Zahnd: Ich habe unglaublich viel gelernt. Abgesehen von den technischen Aspekten - und auch abgesehen von dem gestiegenen Vertrauen in meine digitalen Fähigkeiten - habe ich verstanden, was es bedeutet, mit verschiedenen Herstellern zusammenzuarbeiten. Plötzlich ist man von Leuten umgeben, die über ein enormes Fachwissen verfügen, aber keine Ahnung von der eigenen Vision oder den eigenen Entwürfen haben. Man erkennt, wie wichtig eine klare Kommunikation ist - aber noch wichtiger ist die Fähigkeit, sich anzupassen und schnell zu verstehen, wie andere arbeiten. Diese Leute kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen, mit unterschiedlichen Arbeitsstilen, Sensibilitäten und Sprachkenntnissen. Das war für mich eine sehr bereichernde Erfahrung.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie dachten: "Das ist ein Aha-Erlebnis" oder "Das ist ein wirklich innovativer Ansatz"?

Giulio Zahnd: Ich hatte viele Aha-Momente - vor allem bei den CLO3D-Beratungen mit Isabel Palumbo. Aber besonders beeindruckt hat mich, was Uwe Boedenschatz im 3D-Druckstudio möglich gemacht hat. Gemeinsam konnten wir ein Paar Schuhe in einem einzigen Durchgang drucken - und dabei ein flexibles und ein starres Material kombinieren. Das war ein echter Meilenstein für mich.

Haben Sie durch den Makerspace neue Kontakte zu anderen Studenten oder Universitäten geknüpft?

Giulio Zahnd: Ja, auf jeden Fall! Mit einigen der Studenten stehe ich noch in Kontakt. Wir freuen uns darauf, uns bei den kommenden Veranstaltungen in Chemnitz und Amsterdam wiederzusehen.

Was war für Sie die größte persönliche Herausforderung bei der Arbeit im Makerspace - und wie haben Sie sie gemeistert?

Giulio Zahnd: Da meine Entwürfe verschiedene Materialien und Techniken kombinieren, war eine der größten Herausforderungen die Planung der Entwicklung von Prototypen und der Produktion. Wie alle anderen stand ich unter Zeitdruck, aber gleichzeitig wollte ich qualitativ hochwertige Kleidungsstücke herstellen. Die FUD Heels - die Schuhe, die ich entworfen habe - brauchen zum Beispiel allein 70 Stunden für den 3D-Druck. Da kann man nichts in letzter Minute machen. Ich musste lernen, mich gut zu organisieren und immer mehr Zeit einzuplanen, als man glaubt zu brauchen.

Welches konkrete Ergebnis oder welche Erkenntnis haben Sie aus der Arbeit an Ihrem Avatar oder Outfit mitgenommen?

Giulio Zahnd: Mit CLO3D habe ich wirklich verstanden, dass man die Spezialisierung seiner Dateien in einem großen Umfang vornehmen kann. Für ein und dieselbe Silhouette benötigt man oft mehrere doppelte Dateien, die jeweils auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert sind, z. B. eine Animation oder eine Texturierungsarbeit. Dies ist ein wichtiger Teil des Workflows, um schneller und effizienter zu arbeiten.

Gab es einen Moment, der Sie besonders überrascht oder inspiriert hat?

Giulio Zahnd: Insgesamt war die Erfahrung im Makerspace unglaublich inspirierend. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der Möglichkeiten im industriellen Stricken - vor allem auf Stoll-Maschinen. Ich hatte lange Gespräche mit Franziska Heinze und Ibrahim Halwani, die mir gezeigt haben, wie vielseitig Stricken wirklich ist.

Mit welchen technischen Hilfsmitteln haben Sie am meisten gearbeitet und was haben Sie daraus gelernt?

Giulio Zahnd: Ich habe für die meisten meiner Entwürfe mit CLO3D gearbeitet. Die FUD-Absätze hingegen habe ich komplett in Blender entworfen. Das war mein erstes Projekt in diesem Programm - eine enorme Herausforderung, bei der ich alles selbst lernen musste, unterstützt von KI als meinem Assistenten.

Auf welches Ergebnis Ihrer Arbeit im Makerspace sind Sie am meisten stolz?

Giulio Zahnd: Ich bin besonders stolz auf die so genannte SNAFU-Silhouette, die ich entworfen und hergestellt habe. Sie ist nicht nur das Ergebnis von zwei Wochen im Makerspace, sondern von monatelanger Arbeit - von der Recherche über das Design bis zur Entwicklung der Prototypen. Aber auch die FUD-Absätze sind ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit in Schneeberg, und es hat mich unglaublich glücklich gemacht, Menschen in ihnen laufen zu sehen.

Wie wollen Sie nach dem Makerspace weitermachen?

Giulio Zahnd: Ich möchte auf dem aufbauen, was ich in diesen zwei Wochen schaffen konnte. Die Schuhe, das Kleid und auch das bestickte TRUTH-Band - all diese Produkte möchte ich weiter verfeinern, vor allem in Bezug auf Qualität, Verarbeitung und Nachhaltigkeit.

Gibt es Ideen oder Projekte, die Sie gerne weiterentwickeln würden - sei es für die Holo Show oder andere Bereiche?

Giulio Zahnd: Ich denke, es gibt immer Raum, um weiter zu gehen. Die Überbrückung der Kluft zwischen der digitalen und der physischen Welt ist etwas, das ich gerne weiter erforschen möchte. Die Holo Show wird dafür sicherlich eine große Inspirationsquelle sein.

Was war Ihr größter persönlicher Gewinn aus Ihrer Zeit im Makerspace?

Giulio Zahnd: Ich könnte viele Dinge nennen... Aber das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass der Makerspace mir eine solide Grundlage gegeben hat: Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Machern, der Arbeit mit Menschen aus verschiedenen Städten und Ländern und dem Eintauchen in digitale Innovation. Dafür bin ich sehr dankbar.

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