Die 24-jährige Paula Vēvere von der lettischen Kunstakademie setzt ihre Kollektion Ness fort, in der sie Mode als Medium der kollektiven Erinnerung erforscht. Ihr Entwurf verbindet persönliche Reflexion mit nationaler Geschichte und thematisiert die Überschwemmung des Daugava-Tals durch den Bau des Pļaviņu-Wasserkraftwerks - ein prägendes Ereignis für Lettlands Landschaft und Identität.
"Ich interessiere mich dafür, wie sich menschliche Macht in die Natur einschreibt und wie Erinnerung in Material umgewandelt werden kann", sagt Paula Vēvere.
Ihr Entwurf ist keine nostalgische Rückkehr, sondern ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Natur, Technik und Gefühl. Die Silhouette wirkt architektonisch, geschichtet und fließend zugleich - wie das Wasser, das einst durch das Tal floss und nun in Beton eingeschlossen ist.
Paula Vēvere arbeitet mit Maschinenstricktechniken, die verschiedene Garnarten zu textilen Reliefs verweben. Diese Strukturen erinnern an die Bewegung von Wasser und geologischen Schichten, Metaphern für Erinnerung, Veränderung und Verlust. Drapierungen und asymmetrische Faltungen erwecken den Eindruck eines Flusses auf der Suche nach seiner Form, während metallische Elemente, die durch Laserschneiden oder 3D-Druck hergestellt werden, menschliche Eingriffe in die Natur symbolisieren.
Das Zusammenspiel von Weichheit und Steifheit, von Stoff und Metall, spiegelt die Dualität ihres Themas wider. Paula Vēvere lässt bei ihren Entwürfen Raum für Prozesse und Improvisationen, indem sie die Formen durch Interaktion mit dem Material spontan verändert und dem ihm innewohnenden Rhythmus folgt. Das Ergebnis ist ein Kleidungsstück, das sich wie eine poetische Topografie aus Garn, Erinnerung und Bewegung liest. Ness steht für Transformation, Reflexion und die stille Kraft der Erinnerung.





