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Katriin Raudsepp

Estland

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Die zwanzigjährige Katriin Raudsepp von der estnischen Kunstakademie widmet ihr Projekt Nayo den Frauen, ihrer Stärke und stillen Widerstandsfähigkeit. Ihr Entwurf ist eine Ode an die Dualität der Weiblichkeit - an Weichheit und Härte zugleich. Es verkörpert Schutz, Verletzlichkeit und Selbstbehauptung.

Die Silhouette ist archaisch und futuristisch zugleich. Schwebende Seitenteile umrahmen den Körper wie eine Rüstung aus Reißzähnen. Sie schützen, aber sie bedrohen auch. Dieses Zusammenspiel von Gefahr und Schönheit zieht sich durch den gesamten Entwurf. In der Mitte liegt ein reflektierendes Metallkorsett, das sich eng um den Körper legt. Es steht für das Schweigen und die Selbstlosigkeit, die den Frauen von klein auf auferlegt werden, eine glänzende und doch unbequeme Hülle, die zugleich einschränkt und schützt.

"Ich wollte zeigen, wie Frauen gezwungen sind, ihre Sanftheit zu verbergen - und wie sie diese Sanftheit in Stärke verwandeln", sagt Katriin Raudsepp.

Das Ensemble ist tief in der estnischen Kultur und Folklore verwurzelt. Katriin Raudsepp ließ sich von traditionellen Metallbroschen und mythischen Frauenfiguren der Volkskunst inspirieren, die Mut, Opferbereitschaft und Ausdauer symbolisieren. Ethnografische Formen und Motive werden in einen zeitgenössischen Ausdruck weiblicher Identität verwandelt.

Das Materialkonzept verbindet traditionelle Handwerkskunst mit moderner Technologie. Bestickte Stoffbahnen, geformtes Leder, Metallplatten und gepolsterte Strukturen verschmelzen zu einer organischen Art von Rüstung. Der Designer verwendet Maschinenstickerei, Hämmern, Metallbearbeitung und 3D-Druck, um sowohl Stärke als auch Zartheit zu zeigen. Das Ergebnis ist eine Rüstung der Gefühle, ein Kleidungsstück, das nicht nur schützt, sondern auch eine Geschichte erzählt. Es fühlt sich an wie ein Erbstück aus einer anderen Zeit, das in der Gegenwart eine neue Bedeutung gefunden hat.