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Artūrs Skurstenis

Lettland

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Der 27-jährige Artūrs Skurstenis von der Kunstakademie Lettlands entwirft ein Outfit, das den menschlichen Körper als Träger von Erinnerungen versteht. Narben, Falten und Farbveränderungen werden nicht als Makel gesehen, sondern als Einschreibung der Identität. Aus dieser Idee entsteht das Konzept einer "zweiten Haut" - einer schützenden Hülle, die gleichzeitig verdeckt und enthüllt, die weich und verletzlich erscheint und doch Stärke ausdrückt.

Formal vereint Artūrs Skurstenis zwei gegensätzliche Pole: ein voluminöses, gerüschtes Kleid mit fließender Bewegung und strukturiertes Strickmaterial, dessen anatomische Linien digital in Muster übersetzt werden. Die Spannung zwischen dem Digitalen und dem Körperlichen erzeugt eine theatralische Übertreibung, bei der die Übertreibung zur emotionalen Wahrheit wird.

Organische Asymmetrien, Verschiebungen und gewollte Unregelmäßigkeiten verwandeln den Körper in eine erzählerische Oberfläche.

Die Materialität steht im Mittelpunkt des Designs. Skurstenis kombiniert Seidentaft, Crêpe de Chine, Chiffon und digital gestrickte Einsätze. Handfärbung, Seidenmalerei und Airbrushing erzeugen weiche Farbverläufe - von zarten blauen Flecken bis hin zu narbenähnlichen Linien -, die die Idee der Heilung und Transformation der Haut übersetzen. Dabei werden die Übergänge zwischen Weichheit und Struktur, Technologie und Handwerk, Synthetik und Organik betont.

Der digitale Prozess ist ein integraler Bestandteil des Entwurfs. In CLO3D modelliert Skurstenis die Silhouette, die Proportionen und die Schichtung und testet Transparenz und Dichte, bevor er die Ergebnisse in die Mustererstellung und Drapierung überträgt. Adobe Substance 3D wird zur Verfeinerung der Stofftexturen verwendet. Die digitale Simulation dient nicht nur zur Visualisierung, sondern auch als konzeptionelles Werkzeug, das den emotionalen Ton angibt.

In der physischen Umsetzung werden die digital entwickelten Volumen präzise reduziert. Lagen und Rüschen treffen auf Strick, um Bereiche zu verbinden, die atmen und sich dehnen. Das Ergebnis ist ein hybrides Couture-Stück, das wie Haut reagiert: Es bewahrt Spuren, verändert sein Aussehen im Licht und erzählt eine Geschichte von Verwandlung, Verletzlichkeit und Widerstandsfähigkeit.